Felskanten, meine Gestalten
Wilhelm Senoner vollendet 2022 sein 76. Lebensjahr.
Seine Heimat St. Ulrich/Gröden hat
er nie für längere Zeit verlassen. Aufgewachsen
ist er in einer Bildhauerwerkstatt traditioneller
Prägung. Hier wurde der Wert auf
stilreine und qualitative Wiederholung historischer
Modelle gelegt. Erst nach und nach entband
er sich diesem Formzwang und fand zu
seinen eigenen Figuren. In Ergänzung an die
das Theatergeschehen in Tirol illustrierende
Themenausstellung scheint der Hinweis auf
die „persona“ zielführend zu sein. Senoner
arbeitet nun schon seit 1995 mit Figurenmodellen,
die sich in Attitüde und Form gleichen,
sich abgesehen von den Kennzeichen der Geschlechtlichkeit
nur unwesentlich unterscheiden
und eine theatralische, formarchaische
Note abgeben.
Auch Wilhelm Senoners Kunst berührt das
Stereotype in der Aussage des Menschlichen.
Sein Blick gilt menschlichen Eigenschaften
und Charakteren. Im Laufe der Zeit legt er immer
mehr Wert auf Lesbarkeit. Damit gewinnt
die Plastik an malerischen Qualitäten. Dass er
mit den grob bearbeiteten Lindenholzplanken
einerseits die schroffen Felswände seiner
engeren Heimat meint, oder Leinwände so bearbeitet,
dass alle Farbbotschaft auf einem
Reliefgrund zu liegen kommt, unterstreicht
nur sein plastisches Empfinden. Die Auswahl
der gezeigten Objekte hat Senoner selbst
verantwortet, ebenso deren Anordnung im
Ausstellungsparcours. Sein Blick berührt die
Entwicklung der letzten Jahre.